
Wer steckt hinter Mrs. Bananatree?
Hola, mein Name ist Anna.
Ich bin kreativ, neugierig, empathisch und offenbar nicht besonders gut darin, nur eine Sache zu machen. Mich interessieren Menschen, ihre Persönlichkeit und die Geschichten hinter dem, was man auf den ersten Blick sieht.
Ich liebe es, kreativ zu sein, Dinge zu hinterfragen und wirklich zu verstehen. Gleichzeitig bin ich manchmal etwas chaotisch, ziemlich ungeduldig und habe ein eher optimistisches Verhältnis zu Zeit und Pünktlichkeit.
Eine ziemlich passende Mischung für Kunst, Menschen und Tattoos, würde ich sagen.
Wie bin ich eigentlich beim Tätowieren gelandet?
Umwege? Das würde ich so nicht unterschreiben.
Kreativität begleitet mich eigentlich schon, solange ich denken kann. Als Kind konnte ich mich mit Hörspielen und einem Blatt Papier stundenlang in meinem Zimmer verkrümeln und einfach vor mich hin zeichnen. Mit ungefähr 16 Jahren kam dann auch die erste Tattoomaschine. Ich habe mir ein ziemlich abenteuerliches 100€ Set von eBay Kleinanzeigen, inklusive angebrochener Farben und allem, was Eltern vermutlich Albträume bereitet, bestellt. Mein Vater kassierte das gute Stück vorsichtshalber erst einmal ein. Rückblickend wahrscheinlich keine ganz schlechte Entscheidung.
Dass Tätowieren irgendwann tatsächlich mein Beruf werden würde, wusste ich damals allerdings noch nicht.
Beruflich führte mich mein Weg zunächst ganz woanders hin. Eigentlich wollte ich Erzieherin werden, entschied mich dann aber für eine Ausbildung zur Mechatronikerin bei Bayer. Fachlich lief es gut, trotzdem merkte ich ziemlich schnell, dass ich dort nicht richtig aufgehoben war, und brach die Ausbildung aufgrund von Mobbing schließlich ab. Ich kann nur sagen Männer mögen es gar nicht wenn Frauen Männerberufen nachgehen und darin noch ganz gut sind.
Über eine Berufsberatung landete ich anschließend bei der Ausbildung zur Bekleidungstechnischen Assistentin und plötzlich passte es. Genäht und gestaltet hatte ich sowieso schon immer. Karnevalskostüme, Kleidung und alles, was mir sonst so in den Kopf kam. Dort konnte ich meine kreative Seite endlich mit handwerklichem und technischem Arbeiten verbinden. Zusammen mit der Ausbildung machte ich mein Fachabitur und arbeitete anschließend auch in diesem Beruf.
Nebenbei folgte meine erste Selbstständigkeit. Ich entwarf, nähte und verkaufte Baby- und Kinderkleidung. Gleichzeitig begann ich Soziale Arbeit zu studieren. Ursprünglich war das eine ziemlich pragmatische Entscheidung, entwickelte sich aber schnell zu etwas, das mich wirklich fasziniert hat. Menschen, ihre Entwicklung, ihre Lebensgeschichten und die Frage, warum wir eigentlich so sind und handeln, wie wir es tun, haben mich immer mehr interessiert. Das Studium schloss ich schließlich mit sehr gutem Ergebnis ab.
Und währenddessen tauchte auch das Tätowieren wieder auf. Diesmal allerdings etwas professioneller als damals mit 16 Jahren.
2019 begann ich zu tätowieren und ziemlich schnell wurde aus einer weiteren kreativen Beschäftigung etwas, von dem ich wusste, das ich das machen möchte. Nach meinem Studium machte ich mich deshalb als Tätowiererin selbstständig. Statt in einem großen Studio landete ich schließlich in meinem eigenen kleinen privaten Studio. Zwischendurch zog es mich für Guest Spots immer wieder nach Berlin, aber mein eigenes ruhiges 1:1 Setting ist bis heute genau die Art zu arbeiten, die zu mir passt.
Nachdem das Tätowieren einige Jahre ziemlich gut lief, passierte dann etwas sehr typisches für mich. Mir fehlte eine neue Herausforderung. Also begann ich noch ein Psychologiestudium, welchem ich heute in Teilzeit neben meiner Arbeit als Tätowiererin noch nachgehe.
Wenn ich meinen Weg heute betrachte, wirken die vielen unterschiedlichen Stationen gar nicht mehr so zusammenhanglos und denke vielleicht war der Weg das Ziel. Aus der Bekleidungstechnik habe ich Gestaltung, Farbenlehre, Präzision, Handwerk und ein Gefühl dafür mitgenommen, wie Formen mit dem menschlichen Körper zusammenspielen. Die Soziale Arbeit und heute die Psychologie haben meinen Blick auf Menschen, Kommunikation und die Geschichten hinter einer Person geprägt.
Ich hinterfrage viel, möchte verstehen anstatt einfach nur alles so hinzunehmen und habe einen ziemlich hohen Anspruch an meine eigene Arbeit. Gleichzeitig sind mir Empathie, Individualität und ein fairer Umgang miteinander enorm wichtig. All das findet heute seinen Platz beim Tätowieren wofür ich sehr Dankbar bin.
Vielleicht waren es also nie wirklich Umwege. Vielleicht musste ich einfach ein paar unterschiedliche Dinge ausprobieren, bis ich einen Beruf gefunden hatte, in dem erstaunlich viel davon zusammenpassen.